Lässt sich Vielbegabung als Persönlichkeit definieren?

Lässt sich Vielbegabung als Persönlichkeit definieren?

Ist die Scannerpersönlichkeit anerkannt oder ‚nachweisbar‘?

So sehr und so gern ich mich auch mit der Vielbegabung identifizieren, Fakt ist: sie ist kein wissenschaftlicher Begriff. Anders als bei der Hochsensibilität, die „nur“ einem Teil meiner körperlichen und geistigen Empfindungen und Erfahrungen entspricht, ist die Vielbegabung für mich aber meine komplette Persönlichkeit. Mein Denken und Handeln, mein ganzes ‚inneres System‘ arbeitet multi-potentiell – und das ist immer und durchweg in meinem Leben zu beobachten.

Aber was genau ist diese Vielbegabung dann?

Emilie Wapnick hat Vielbegabung, oder in ihren Worten ‚Multipotentiality‘ so definiert:
An educational and psychological term referring to a pattern found among intellectually gifted individuals. [Multipotentialites] generally have diverse interests across numerous domains and may be capable of success in many endeavors or professions, they are confronted with unique decisions as a result of these choices”

Wenn du mehr über Emilie und ihre Vielbegabung lernen möchtest empfehle ich dir ihr Buch „How to be everything“ . Dort erhälst du viele wertvolle Tipps wie du dir dein Leben als Multipotentialite erfolgreich und erfüllt gestalten kannst.

Ich selbst habe auch etwas in meinen Psychologiebüchern und der Fachliteratur gegraben und meine Funde hier mit Quellenangaben für dich zusammengefasst.

Vorab ist es wichtig zu erwähnen, dass in der Psychologie keine Charaktertypen festgelegt oder definiert werden, zu der man sich ‚einordnen kann‘. Es existieren aber verschiedene Persönlichkeitstheorien, wie Persönlichkeit und Charakter entsteht und sich formt (siehe Jung, Erikson, Maslow, Rogers etc.)

Das hat damit zu tun, dass Persönlichkeit etwas Dynamisches und äußerst Komplexes ist. Viele Psychologen arbeiten darum in ‚Dimensionen‘ so zum Beispiel „The Big Five“.

Wenn man sich auf die Suche nach wissenschaftlicher Literatur zu Scannerpersönlichkeiten, Vielbegabung und Multitalente begibt wird man nicht gleich fündig. Das beginnt schon bei der Wortwahl. Begriffe wie Scanner (Barbara Sher) oder Multipotentialite (Emilie Wapnick) sind Umschreibungen verschiedener Autoren, die sich aufgrund von eigener Erfahrung mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Hierbei wird auch deutlich, dass das Phänomen im englischsprachigen Raum bereits mehr Aufmerksamkeit erhalten hat.

Viele Artikel und Studien handeln allerdings ausschließlich von Karriere- und Berufswahl für (hoch)begabte Studenten, dessen ‚Counseling‘ und der Vermeidung der negativen Nebenwirkungen, wenn es zu Entscheidungsprozessen kommt.

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So konnte ich aus einer kurzen Suche bereits zusammenfassen:

Die Frage nach der Persönlichkeit ist die eigentliche Suche nach der eigenen Identität – was wiederum eng mit der Frage nach der Karriere und dem Beruf verknüpft ist. Als Gesellschaft und als Individuum setzten wir den Beruf also mit der Identität gleich. In der Literatur wird hier oft der Zusammenhang mit Begabung betont: Für Hoch- und Vielbegabten ist diese Identifizierung ausschlaggebend und demnach mit einem hohen Stellenwert versehen. Sie setzen die Suche nach der Karriere gleich mit der Suche nach allgemeiner Lebenszufriedenheit, der Bestimmung und dem Sinn des Lebens. (Greene, 2006, para. 10)

Darum wird es auch als besonders störend empfunden, wenn man sich nicht auf (nur) eine der verfügbaren Optionen einlassen kann.
Gerade bei talentierten und (hoch)begabten jungen Menschen scheint das Problem öfter vorzukommen. So wird angenommen, dass ‚Multipotentiality‘ (zu deutsch Mulitpotentialität) ein Nebenprodukt von (Hoch)Begabung sei (Sajjadi, Reijskind & Shore, 2001).
(Frazier, A., D., Identity Development and Multipotentiality)

Hier fällt außerdem auf, dass Vielbegabung in der Begrifflichkeit gleichgesetzt wird mit Hochbegabung, die wiederum keiner Persönlichkeitseigenschaft entspricht, sondern ihre mentalen Kapazitäten wiederspiegelt und auch durch den Wert IQ messbar ist. Auch hier sind die Begrifflichkeiten verwirrend: Begabung und Talent werden oft mit Intelligenz in Verbindung gebracht. Es ist also wichtig ob man die Wörter ‚viele‘ oder ‚hohe‘ verwendet. Die Intelligenz, die durch den IQ gemessen wird, misst nur eine begrenzte Auswahl an Fertigkeiten (hoch oder niedrig) aber eben nicht alle (viele).

Außerdem lässt sich Persönlichkeit, vor allem in jungen Jahren, nicht schlüssig und eindeutig festlegen. Interesse und Wahl der Freizeitaktivitäten und Berufe sind letztendlich abhängig von vielen äußeren und inneren Faktoren. Gerade in der jugendlichen Phase, in der sich die Funktionsweisen des Gehirns noch ausbilden und verknüpfen müssen und wir stark von physischen und psychologischen Veränderungen und Druck abhängig sind.

Besteht die Multipotentialität weiter bis spät in das Erwachsenenalter, ist es wichtig sich auch hier den Unterschied zu anderen psychologischen Ursachen deutlich zu machen.

Welche Erfahrungen habe ich bereits in meinem Leben gemacht? Wie groß ist mein Selbstbewusstsein? Wie gut sind meine Entscheidungsprozesse? Basieren meine Entscheidungen auf (negativen) Glaubenssätzen? Handle ich nach den Erwartungen anderer? Lebe ich nur für andere? Tue ich etwas nicht, aus Angst vor eventuellen Konsequenzen?
So mancher ‚Scanner‘ könnte sich auch als unterdrückter ‚Taucher‘ entpuppen (Barbara Sher).

Multipotentialität wird von Sajjadi, Reijskind & Shore folgend definiert: Multipotentialität beschreibt die Fähigkeit und das Interesse verschiedene Aktivitäten und Ziele zu verfolgen, vor allem bei der Freizeitbeschäftigung und Karrierewahl.

Grundsätzlich stellt Multipotentialität kein psychologisches Problem dar und bringt keine Nachteile für das Individuum mit sich (2001).

In der deutschsprachigen Literatur wird die Vielbegabung nur im Zusammenhang mit Kunst und Literatur verwendet.

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Es bietet also Raum für weitere Untersuchungen, Studien und Entdeckungen. Es sollte aber auch klar sein, dass die Persönlichkeit eines der komplexesten Themen in der Psychologie darstellt. Hier lassen sich (noch) keine eindeutigen Ursachen oder Eigenschaften ergründen und feststellen, um welche Persönlichkeitszüge es sich dann auch handelt.

Die Persönlichkeit ist ein Zusammenspiel von Vererbung, mentale Kapazitäten, Erfahrungen, Fertigkeiten und Fähigkeiten, Umfeld, Gesellschaft, Kultur etc. (nature and nurture).
Und Vielbegabung als Thema macht dies, noch einmal, ein kleines bisschen komplexer.

Hast du weitere Ideen oder Quellen wie wir Vielbegabung beschreiben und definieren können?
Wie wichtig ist dir eine Definition oder sogar Messbarkeit deiner Persönlichkeit?

Schreib es mir in die Kommentare!

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